Willkommen auf der Welt, kleiner Astronaut – ein Geburtsbericht

Februar 19, 2018 1

Hier war es sehr lange ruhig – Grund dafür ist das wohl niedlichste Lebewesen dieser Erde. Er ist endlich da, unser kleiner Astronaut, unser Henry. Jetzt sind wir eine Familie. Und ich bin eine Mama. Zu verrückt. Einige haben es sich gewünscht, also gibt es nun die Geschichte dazu:

Der letzte Schwangerschaftsmonat.

In diesem Beitrag habe ich bereits berichtet, wie ich die letzten Wochen der Schwangerschaft empfand. Ich war oft von mir selbst genervt, meine Unabhängigkeit versteckte sich irgendwo unter dem großen Kugelbauch und ich fand einfach keine Position in der ich angenehm existieren konnte. Unterstrichen wurde das ganze dann noch von der großen Ungeduld und dem Wunsch, den kleinen Stern endlich im Arm zu halten und vor allem das neue Leben als Familie zu beginnen.

Wochenlang habe ich mir den Kopf zerbrochen, wie ich mich am besten auf die Geburt vorbereiten könnte, wann wohl die Fruchtblase platzen wird, ob ich merke, wenn es wirklich los geht, wie mein erster Aufenthalt im Krankenhaus wird, ob alles gut geht und was ich tun sollte, wenn nicht. Und dann kam natürlich alles anders, als gedacht.

Eine spontane Geburt und #9 Dinge, die ich dabei gelernt habe.

Um 2.00 Uhr nachts bin ich aufgewacht. Nun, das war nicht wirklich etwas neues für mich gewesen, denn so erging es mir seit Beginn der Schwangerschaft. Diesmal begleiteten mich jedoch Schmerzen im unteren Bauch, die ich bis dahin noch nicht wirklich kannte. #1 Ja, man merkt, wenn es wirklich los geht. Ich bin also vom Bett auf die Couch umgezogen, um dem Mann an meiner Seite noch so viel Schlaf wie möglich zu schenken – man weiss ja nie, wie es sich entwickelt…

In den folgenden viereinhalb Stunden schaute ich eine Folge „Gilmore Girls“ nach der anderen und versuchte ganz entspannt die ersten kleinen Mini-Wehen wegzuatmen. Gegen 6.30 Uhr wollte ich nicht mehr alleine da durch und weckte den Mann unter großen Kullertränen. Jetzt hiess es: Zusammen „Gilmore Girls“ schauen und gemeinsam Atmen. Die Wehen wurden heftiger, aber dennoch hatte ich das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben und es gut zu meistern. #2 Konzentriert Atmen ist das A und O. Getreu dem Motto „Da geht noch was“ blieben wir bis 12 Uhr in den heimischen vier Wänden bevor wir uns auf den Weg ins Krankenhaus machten. #3 Man weiss einfach, wenn wirklich der Zeitpunkt gekommen ist, um nicht mehr abzuwarten.

In der Klinik angekommen wurde als erstes ein CTG geschrieben und diverse Untersuchungen durchgeführt bevor ich gegen 14 Uhr in den Kreißsaal einchecken konnte.
Da waren wir nun. Am Ort des Geschehens. Die Hebamme platzierte mich in einem riesigen kreisförmigen Bett bevor sie den Raum verließ und wir vorerst auf uns allein gestellt waren. #4 „Allein im Kreißsaal“ statt „Die Hebammen werden stundenlang bei dir sein“. Der Mann wich mir nicht von der Seite und half mir in den nächsten Stunden enorm nicht den Verstand zu verlieren. Entspannt atmen war jetzt nicht mehr möglich. Da ich mich bis dahin doch eher als wehleidigen Menschen eingeschätzt habe, bettelte ich quasi um eine PDA. Als die Anästhesitin mit ihren Gerätschaften den Raum betrat, mich dazu aufklärte, die Worte „Möglichkeit der Querschnittslähmung“ fielen und ich in das besorgte Gesicht meines Freundes sah, entschloss ich mich kurzerhand den Kampf gegen die Schmerzen zwar mit Schmerzmittel, aber ohne PDA aufzunehmen. Und dennoch dachte ich bei jeder Wehe „ich kann nicht mehr, ich halte es nicht mehr aus“. Und mit jeder Wehe wurde der Schmerz größer. #5 Ich bin stärker als ich je vermutet habe. Ich beschloss, mir jede Wehe als Welle vorzustellen, die ich gemeinsam mit meinem Henry surfe. Am Strand wartete der Papa auf uns und rief uns ganz viel Mut zu. #6 Jede Wehe als etwas positives sehen hilft enorm. Mit jeder Welle kamen wir ein Stück näher ans Ziel.
Irgendwann wurde aus dem schmerzerfüllten Jammern ein Schreien. Oder vielmehr ein kreischen. #7 Schmerz kann ich nicht leise aushalten. Ich glaubte, ich mutiere zum Tier und fragte mich, ob man mich auf der Straße schreien hörte. Meine Gedanken schwankten zwischen „Ich sterbe gleich! Mein Unterleib wird zerfetzt!“ und „Wir schaffen das gemeinsam mein Baby, komm jetzt endlich!“.
Als die Presswehen dann einsetzten verlor ich für circa dreißig Minuten den Verstand. #8 Der Körper funktioniert einfach und macht genau das, was er eben machen muss. Wie beim Verdauen vom Frühstück. 
17.15 Uhr legte mir die Hebamme unser Bündel pures Glück auf die Brust. Schlagartig war der Film vorbei, ich war wieder bei klarem Verstand und blickte in das winzigste und schönste Gesicht, was ich je gesehen habe. Mein Baby. Dieser kleine perfekte Mensch lag ganz warm und weich auf mir, mit seinen dunklen Wuschelhaaren und nahezu schwarzen Augen. Er atmete.

#9 Eine Geburt kann wirklich toll sein. Weil die Hebammen super waren, weil mein Mann einen großartigen Job gemacht hat und weil mein Henry und mein Körper mir einfach den richtigen Weg gezeigt haben. Und weil ich das mit allen Superkräften einer Frau gemeistert habe.

Ja, ich bin ganz schön stolz auf uns.

 


Hach so schön! Es freut mich, dass deine Sorgen vor der Geburt sich nicht negativ ausgewirkt haben und du jetzt so positiv davon erzählen kannst! Und wenn ich irgendwann mal Wehen haben sollte, möchte ich dabei bitte auch Gilmore Girls gucken. Ich bin gespannt auf euer Leben mit dem kleinen Astronauten.

Februar 20, 2018 at 8:31 am Anni Reply

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