Babymoon in Sardinien

Juli 31, 2017 2

Langersehnt und am Ende zu schnell vorbei: Unser Sommerurlaub. Diesmal unter einem besonderen Stern, denn er sollte vorerst der letzte Urlaub zu zweit sein. Nach einem Finanzcheck stellte ich fest, dass meine großen Träume von den Malediven, Neuseeland, Bali oder Brasilien nicht realisierbar sind. Also buchte ich einfach den günstigsten Flug in den Mittelmeerraum, der sich mir anbot.

Skyscanner entschied also für uns: Es geht nach Olbia, Sardinien.

Am Dienstagmorgen packte ich sporadisch ein paar Sachen zusammen und stellte traurig fest, dass die Sommerklamotten vom letzten Jahr nicht für meinen Babybauch gemacht sind. Aber gut, was soll’s.
Acht Stunden später saßen wir dann in einem neuen EasyJet-Flieger und die Vorfreude auf den Urlaub machte sich endlich in mir breit.

Nach zweieinhalb Stunden Flugzeit sind wir in Olbia angekommen. Der erste Weg führte uns zu Interrent, einer Autovermietung. Dort haben wir für die kommende Woche einen kleinen Fiat 500 gemietet, welcher uns direkt zu unserer Unterkunft in Siniscola brachte.

Als wir die „Villa Mercedes“ über Airbnb gebucht haben, konnte ich nicht mal annähernd ahnen, dass der Aufenthalt dort zu einem wahren Highlight unserer Reise werden würde. Mercedes, unsere Gastgeberin, wurde in der Dominikanischen Republik geboren, ist in New York aufgewachsen, zog der Liebe wegen nach Athen und der zweiten Liebe wegen nach Sardinien. Eine Frau mit solch einer Geschichte konnte doch nur toll sein. Sie empfang uns herzlichst mit „Küsschen, Küsschen“ und einer Flasche Wein in ihrem Bed & Breakfast und zog uns ab der ersten Minute mit ihrer  liebevollen, aufgeschlossenen, fürsorglichen Art und ihrem ansteckenden Lachen in ihren Bann.

Tag 1 – Bidderosa & die gemeine Biene

Geweckt wurden wir nach einer wunderbar erholsamen Nacht vom Geruch frisch gebackener Teigwaren, der sich durch die gesamte Villa zog. Wunderbar! So bitte jetzt täglich. Als ich auf der blumigen Terrasse mit Meerblick vor dem gedeckten Frühstückstisch stand wusste ich als bekennender Frühstücks-Liebhaber, dass ich hier im Paradies angekommen bin. Kaffee, Orangensaft, frisches Obst, Toast, selbstgemachte Marmelade, frisch gebackener Kuchen, Eier und Croissants – Mercedes lies keinen Wunsch offen. Schließich sollte ich für „Little Baby-Andy“ eine ordentliche Grundlage für den Tag schaffen.

1,5 Stunden und einige Ausflugstips von Mercedes später, brachen wir auf zum Strand von Bidderosa.

Für 14 Euro Eintritt hatten wir dort die Wahl zwischen fünf verschiedenen Buchten. Hundert andere Menschen aber eben auch. Ich bin wirklich kein großer Fan von Menschenmassen. Die kann ich nur bei Konzerten dulden, aber ungern in der Natur. Aber davon konnte ich mir nicht die Laune verderben lassen. Die Freude über das türkis glitzernde Meer, was sich vor mir erstreckte, war sowieso zu groß. Endlich wieder dieser Geruch, die laue Brise um die Nase, tolle Locken vom Salzwasser und Sand zwischen den Zehen – mein absolutes rundum-wohlfühl-Gefühl.
Dieses verabschiedete sich jedoch schlagartig, als mich eine Biene in die Fußsohle gestochen hat. Große Kullertränen spülten sich vor lauter Schmerz in meine Augen als sich nicht nur der Stachel sondern auch der „Wieso-immer-ich-Gedanke“ tiefer in mich bohrte. Bereits meinen letzten Urlaub begann ich mit einem Tritt in einen Seeigel. Das kann einem mächtig die Laune verderben, ich sag’s euch. Nun sprang ich verzweifelt ins Wasser, um den Fuß zu kühlen, als ein Italiener auf mich zu kam und immer wieder „Hot Hot Hot“ rief. Mir war schon klar, dass er damit nicht meine Persönlichkeit meinen konnte, sondern mir irgendwie helfen wollte. Er gab mir zu verstehen, dass Hitze den Schmerz lindern wird. Wie ich später gelesen habe, ist in dem Gift von Bienen viel Eiweiß enthalten, welches ab einer Temperatur von 40 Grad zersetzt wird. Also saß ich dann im heißen Sand und versuchte mich zu beruhigen, während Andy den Stachel entfernte und der nette Italiener doch tatsächlich Kortisonsalbe aus seiner Tasche zauberte. Was man halt so am Strand dabei hat. Ich wusste ja nicht einmal, ob ich allergisch gegen Bienen bin. Anscheinend nicht, denn bis auf eine Schwellung, welche beim Laufen ungeheuerlich weh tat, passierte in den nächsten Tagen einfach nichts. Der Schreck war also größer als das Ausmaß der Geschichte.

Okay, die Herausforderung für die kommende Woche hieß also: Schmerz wegdrücken und Laune obenhalten trotz Hinkebein.

Tag 2 – Porto San Paolo und die Sache mit den Flamingos

Vor Sardinien liegt eine kleine Insel, die man von ganz vielen Punkten der Ostküste aus sehen konnte. La Tavolara. Dort soll der Strand paradiesisch und relativ einsam sein. Das klang für uns so verlockend, dass wir nach Porto San Paolo fuhren, um eine Bootsfahrt dahin zu buchen. Dort angekommen, teilte man uns mit, dass es zu stürmisch sei und keine Überfahrt statt fand. Na super. Uns blieb also nur ein sehnsüchtiger Blick zur Insel, ein kleiner Walk durch den Ort und natürlich die Abkühlung im Meer.

Weiter ging es nach San Teodoro, denn dort, so hiess es, sieht man Flamingos in ihrem natürlichen Lebensraum.

Also. Ich habe sie wirklich gesucht. Aber da war keiner. Enttäuschung die Zweite. Wie wir später erfuhren, sind sie entweder nur früh morgens oder spät abends dort oder gar zu einer anderen Jahreszeit. Super. Ich weiss schon, wieso ich sowas eigentlich immer im Voraus plane.

Wir stromerten noch etwas frustriert von der Planlosigkeit und dem Schmerz im Fuss durch die Gegend und fanden wirklich schöne Fleckchen der Natur bevor wir uns einen netten Platz zum Abendessen suchten. Das dabei meine Lasagne auf der Rechnung nicht beachtet wurde, erheiterte mich dann noch etwas.

 

Tag 3 – Zwei großartige Entdeckungen und die große Übelkeit

Heute war der Mann an der Reihe, den Tag mit Ausflügen zu füllen. Sein Wunsch war, im Nachbarstädtchen „Santa Lucia“ einen Turm anzuschauen. Klingt jetzt erstmal nicht so spannend – war es auch nicht – aber der Ort war an sich eine wahre Entdeckung. Vor allem das kleine italienische Restaurant mit Meerblick, welches wir am Abend (und auch an den folgenden Abenden) besuchten.

Nach diesem Mini-Stop ging unsere Tour weiter nach „Cala Gonone“. Dort angekommen buchten wir eine Schifffahrt zu einer Bucht, die sich „Cala Luna“ nannte. So magisch wie der Name klang sollte auch der Strand dort sein. Das musste ich natürlich überprüfen.
Das Meer war so wild, dass die Wellen das kleine Schiff immer wieder in die Luft schleuderten und mir sämtliche Farbe aus dem Gesicht entwich. Ich bin so schon nicht wirklich seetauglich, aber ich vermute, dass die Sache mit dem Baby im Bauch und Temperaturen über der 30-Grad-Marke dies nicht unbedingt begünstigt haben.
Am Strand angekommen waren sie wieder: die Menschenmassen. Damit hatte ich mich zu diesem Zeitpunkt aber schon gedanklich abgefunden. Alles in mir schrie jetzt sowieso nur noch nach einer Abkühlung. Also stürzten wir uns sofort in die riesigen Wellen und wurden noch einmal durchgewirbelt. Als ich später in der Sonne lag und  langsam wieder trocknete stellte ich fest, dass dieser Ort etwas wirklich mystisches an sich hatte. Der Fels hinter uns wurde durch das Wasser geformt und sah nun aus wie eine unheimlich große Welle. Von weitem erspähte ich schon mehrere Höhlen, die erkundet werden wollten. Ein paar Kekse später packte ich also meine Kamera und stromerte noch etwas an der Küste entlang. Abgesehen von den unzähligen Menschen war dieses Fleckchen Natur wirklich genau nach meinem Belieben.

    

Tag 4 – Porto Cervo und die Schickeria Sardiniens

Porto Cervo ist der Ort Sardiniens, an dem die Reichen und Schönen zugange sind. Also nix wie hin. Ich wollte einfach mal schauen, ob ich mir da auch eine Lemon Soda leisten konnte. Schon beim Reinfahren in den Ort merkte man sofort, dass hier etwas anders ist. Die Straßen waren so sauber und gepflegt, dass ihr Glanz fast die goldenen „Prada“ und „Louis Vuitton“ Schriftzüge der Geschäfte überstrahlten. Wir schlenderten eine Zeit lang durch den Ort, bestaunten die Architektur und teilten uns ein Sandwich. Alles ganz nett, aber definitiv nicht meine Welt.

Also suchten wir uns wieder ein Stück Natur. Ich wollte unbedingt an einen dieser sagenumwobenen Strände der „Costa Smeralda“. Dieses Vorhaben ließ ich aber schlagartig sein, als ich die Parkgebühren für eben diese sah. Außerdem reihten sich die Autos dort nur so nacheinander, so dass ich eine Vorstellung davon hatte, wie sich die Sonnenschirme am Strand reihten. Was ich von vielen Menschen auf einem Haufen halte, wisst ihr ja nun bereits. Danke, aber nein danke. Der geheime Hundestrand um die Ecke war mindestens genauso wunderbar und ein Stück weit einsamer.

Am Abend ließen wir uns in diesem niedlichen Meerblick-Restaurant in „Santa Lucia“ nieder und füllten unsere Mägen mit den tollsten Spaghetti die ich je hatte.

Tag 5 – Ein Strandtag und die große Verwunderung über mich selbst

Am fünften Tag fühlten wir uns beide so matt und müde, dass wir tatsächlich den gesamten Tag einfach nur am Strand verbrachten. Und es tat SO gut! Am Ende des Tages war ich so verwundert über diese Tatsache, dass wir noch einen Mini-Ausflug zu einer Burg im benachbarten „Posada“ angingen. Ich bin nicht der Typ Mensch, der länger als zwanzig Minuten liegen kann ohne irgendetwas zu machen. Gleich recht nicht in fremden Ländern. Die muss man ja erkunden. Aber tja. Zeiten ändern mich. Und so eine Schwangerschaft eben auch.

Posada und die dazugehörige Burg sind ein kleines Highlight – bis in die kleinsten Ecken vollgestopft mit italienischem Charme: Enge, verwinkelte Gassen, die uns den Weg hoch zur Burg leiteten und am Ende ein herausfordernder Aufstieg im Turm. Belohnt wurden wir mit einer wahnsinnig schönen Aussicht im Sonnenuntergang.

    

Tag 6 – Ziegen, Einsamkeit und die andauernde Gammelei

Weil das süße Nichtstun vom vergangenen Tag so wunderbar war, beschlossen wir, das zu wiederholen. Diesmal aber, nachdem wir noch einen Mini-Ausflug in die Berge machten. Da mir dass derzeit zu Fuß nicht mehr wirklich gelingt, fuhren wir mit dem Auto die  „SP3“ quer durch ein riesiges Kalksteinmassiv. Meine Aufgabe bestand also lediglich im Sitzen, Gucken und Fotos machen. Ich scheiterte. Nach zwanzig Minuten in den Serpentinen tanzten wieder mein Magen und das Baby gemeinsam gegen meinen eigentlichen Rhythmus. Gelohnt hat sich die Tortour für mich aber allemal:

Tag 7 – Adé Olbia

Und schon hieß es wieder: Rucksäcke packen und Adé. Der Abschied von Mercedes und ihrer wunderschönen Villa fiel uns wirklich schwer. Also noch ein paar liebe Worte da lassen, dreimal drücken und „Küsschen, Küsschen“. Man sieht sich immer zweimal im Leben. Das hoffe ich zumindest an dieser Stelle.

Da unser Flug wieder ab Olbia ging, habe ich kurzerhand beschlossen, dass wir uns wenigstens noch kurz den Ort anschauen. Der Mann an meiner Seite war davon anfangs wenig begeistert, lies sich dann aber auch vom Flair der Stadt tragen und fand es wohl genauso schön wie ich. Wir schlenderten über einen kleinen Markt an der Promenade, den Hafen entlang und durch kleine Gassen bevor wir uns ein letztes mal italienische Nudelgerichte gönnten. Die teuersten die wir in diesem Urlaub überhaupt hatten.

Fazit

Sardinien ist wirklich ein unheimlich schönes Land. Sicherlich muss man sich als deutscher Tourist damit abfinden, dass in Italien der Standard nunmal nicht so hoch ist, wie wir es hier gewohnt sind. Das wissen wir aber ja. Und die Sache mit der Siesta von 13 bis 17 Uhr ist auch oft eine große Umstellung, wenn man aus einem Land kommt, in dem man arbeitet um einfach nur acht Stunden eines Tages zu füllen. Aber das Meer in seinen tausend verschiedenen Türkistönen ist der absolute Wahnsinn, die Sonne scheint fast das ganze Jahr, das Essen ist superlecker und die Menschen sind äußerst nett. Was will man denn noch?

Es war mir eine wirkliche Freude, wie dieses Land mein Leben für wenigstens eine Woche entschleunigt hat. Nun gilt es, ein Stückchen südländische Gelassenheit zu behalten. Genauso wie die Salzwasserlocken und die braungebrannte Haut.
Wart ihr schonmal auf Sardinien? Wie war euer Eindruck?
Weitere Bilder unserer Reise findet ihr hier.

Wuuuuunderschöne Bilder! Und ein realistischer Urlaubsbericht. Menschenmassen sind nunmal oft an den schönen Orten und Stiche aller Art gehören ja leider auch oft dazu. Trotzdem habe ich jetzt riesige Lust auf Sardinien bekommen! Nur vielleicht nicht im Hochsommer 😬 Danke fürs Teilen von eurem Babymoon!

Juli 31, 2017 at 5:02 pm Anni Reply

Wenn ich jemals nach Sardinien komme, dann nur zu Mercedes! Und dann bis Mittag frühstücken. Und dann Siesta! Herrliche Aussichten! Danke für die Tipps

August 1, 2017 at 12:13 pm Ulrike Reply

Leave a comment:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.